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Was ist die 70-20-10-Regel für das Lernen?


Die 70-20-10-Regel für moderne berufliche Entwicklung verstehen

People working inside a library

Einführung


Die Landschaft der betrieblichen Weiterbildung und Erwachsenenbildung hat sich dramatisch gewandelt – weg vom traditionellen Fokus auf den Schulungsraum hin zu einem ganzheitlicheren Verständnis davon, wie Menschen neue Fähigkeiten tatsächlich erwerben und anwenden. Im Zentrum dieser Transformation steht die 70-20-10-Regel, ein konzeptionelles Modell, das die Bedeutung vielfältiger Lernerfahrungen am Arbeitsplatz hervorhebt. Ursprünglich aus Forschungen des Center for Creative Leadership in den 1980er Jahren hervorgegangen, besagt dieses Modell, dass Menschen etwa 70 Prozent ihres Wissens aus arbeitsbezogenen Erfahrungen, 20 Prozent aus dem Austausch mit anderen und nur 10 Prozent aus formalen Bildungsangeboten beziehen (McCall, Lombardo and Morrison, 1988). Obwohl die genauen Prozentsätze oft eher als Faustregel denn als starres wissenschaftliches Gesetz betrachtet werden, bietet das Modell einen leistungsfähigen Leitfaden für EdTech-Entwickler und Führungskräfte, die effektivere Lernumgebungen gestalten möchten.


Das Rahmenwerk


Der größte Teil des Rahmenwerks, der 70 Prozent des Lernens ausmacht, ist in der erfahrungsorientierten Entwicklung verwurzelt. Dies beinhaltet „Lernen durch Tun“, bei dem Mitarbeiter herausfordernde Aufgaben übernehmen, komplexe Projekte managen und reale Probleme lösen. Im EdTech-Kontext wird dies zunehmend durch Simulationen, virtuelle Labore und Tools zur Arbeitsunterstützung unterstützt, die es Lernenden ermöglichen, Fähigkeiten in einer sicheren, aber realistischen Umgebung zu üben. Erlebnispädagogisches Lernen ist besonders effektiv, da es zur sofortigen Anwendung und zum kritischen Denken anregt und sicherstellt, dass Wissen nicht nur auswendig gelernt, sondern tief in den täglichen Arbeitsablauf integriert wird. Dieser Ansatz steht im Einklang mit der Idee, dass die wertvollsten Lektionen oft aus der Überwindung von Hindernissen und der Reflexion über erfolgreiche oder gescheiterte Ergebnisse stammen (McCall, Lombardo and Morrison, 1988).


Ergänzt wird die erfahrungsorientierte Komponente durch die 20 Prozent für soziales Lernen. Dieses Segment konzentriert sich auf Wissen, das durch den Austausch mit anderen gewonnen wird, einschließlich Mentoren, Coaches und Kollegen. Soziales Lernen erkennt an, dass berufliche Entwicklung selten ein Einzelunterfangen ist, sondern durch Feedback, Beobachtung und kollaborative Problemlösung vorangetrieben wird. Moderne Lernplattformen haben diesen Aspekt revolutioniert, indem sie soziale Funktionen wie Diskussionsforen, Peer-Review-Systeme und Arbeitsbereiche für die Zusammenarbeit integrieren. Durch die Erleichterung dieser informellen Verbindungen können Unternehmen das kollektive Wissen ihrer Belegschaft nutzen und erfahrene Experten befähigen, implizites Wissen weiterzugeben, das selten in einem formellen Handbuch festgehalten wird.


Die letzten 10 Prozent des Modells stehen für formale Bildung, zu der strukturierte Kurse, Seminare und traditionelle Präsenzschulungen gehören. Obwohl dies den kleinsten Prozentsatz des Modells ausmacht, bleibt formales Lernen ein lebenswichtiges Fundament für die berufliche Entwicklung. Es liefert das wesentliche theoretische Wissen und die strukturierten Rahmenbedingungen, die Lernende benötigen, bevor sie effektiv am Arbeitsplatz experimentieren oder in einen hochwertigen sozialen Austausch treten können. Im digitalen Zeitalter hat sich das formale Lernen zu Microlearning-Modulen und On-Demand-Videoinhalten entwickelt, was es Einzelpersonen erleichtert, in ihrem eigenen Tempo auf grundlegende Informationen zuzugreifen. Wenn formale Schulungen als Sprungbrett für die anderen 90 Prozent des Modells genutzt werden, werden sie zum Katalysator für nachhaltige Verhaltensänderungen und Kompetenzaufbau.


Letztendlich fördert die 70-20-10-Regel eine strategische Abkehr von einer „Einheitslösung“ in der Ausbildung. Für EdTech-Unternehmen besteht die Herausforderung darin, Ökosysteme zu schaffen, die die Lücke zwischen diesen drei unterschiedlichen Lernmodi nahtlos schließen. Eine effektive Lernstrategie bietet nicht einfach nur eine Bibliothek von Kursen, sondern stellt eine Plattform bereit, auf der formale Konzepte durch Erfahrung geübt und durch soziale Interaktion verfeinert werden können. Indem Unternehmen die berufliche Entwicklung als kontinuierlichen, vielschichtigen Prozess begreifen, können sie eine Kultur des lebenslangen Lernens fördern, die in einer sich schnell verändernden Weltwirtschaft agil und widerstandsfähig ist.


References


Jennings, C. (2013) 70:20:10 Framework. Available at: https://www.702010institute.com/702010-model/

McCall, M.W., Lombardo, M.M. and Morrison, A.M. (1988) The Lessons of Experience: How Successful Executives Develop on the Job. Lexington: Lexington Books.

Tough, A. (1971) The Adult’s Learning Projects: A Fresh Approach to Theory and Practice in Adult Learning. Toronto: Ontario Institute for Studies in Education.